Treffen von Vertreter:innen der AG Christliche Sozialethik mit Kardinal Czerny

Foto: Michael Bodin / Erzbistum Paderborn

Am 26.01. fand ein Gespräch statt zwischen Kardinal Michael Czerny, Präfekt des Dikasteriums für den Dienst der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung, und deutschsprachigen Sozialethiker:innen über die Soziallehre von Papst Franziskus und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Im Zentrum des Gesprächs standen die Klimakrise sowie die Bedrohung von Menschenwürde und Demokratie durch Rechtspopulismus und -extremismus. Ein wichtiges Anliegen war den SozialethikerInnenn auch die Anerkennung ihres Faches im Fächerkanon der Theologie.

Siehe dazu: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2024-01/kard-czerny-bekommt-klaus-hemmerle-preis-2024-richtung-andern.html

Nachruf: Prof. Dr. Dr. h.c. Franz-Xaver Kaufmann

Der nachfolgende Text ist eine Zusammenfassung des detailierten und würdigenden Nachrufs von apl. Prof. Dr. Hermann-Josef Große Kracht. Den ausführlichen Originaltext finden Sie auf Soziopolis.de.

Der Bielefelder Soziologe Franz-Xaver Kaufmann, ein bedeutender Akademiker in der Sozialpolitikforschung und ein lebenslanges Mitglied der katholischen Kirche, ist am 7. Januar 2024 im Alter von 91 Jahren verstorben. Über sechs Jahrzehnte prägte Kaufmann soziale Debatten und war bekannt für seine nüchterne Beobachtungshaltung, ohne Parteilichkeit in der Politik. Seine erste Arbeit „Die Überalterung“ von 1960 erörterte den demografischen Wandel, ein Thema, dem er sich kontinuierlich widmete.

Geboren am 22. August 1932 in Zürich, studierte Kaufmann zunächst Jura, bevor er zu Wirtschaftswissenschaften in St. Gallen wechselte. Ein Jahr in Paris an der Sorbonne beeinflusste seine soziologische Ausrichtung stark. Nach seiner Promotion und einer Zeit in der Industrie entschied er sich für eine akademische Karriere und begann seine „soziologische Lehrzeit“ an der Sozialforschungsstelle Dortmund, wo er Kontakte zu bedeutenden Soziologen wie Niklas Luhmann knüpfte.

Kaufmanns Habilitationsschrift fokussierte sich auf die „Wertidee“ der sozialen Sicherheit und legte den Grundstein für seine späteren Arbeiten im Bereich des Wohlfahrtsstaates. 1969 nahm er einen Ruf an die neu gegründete Reformuniversität Bielefeld an, wo er entscheidend am Aufbau der Soziologie-Fakultät beteiligt war. In den späten 1980er-Jahren entwickelte er eine Theorie des Wohlfahrtsstaates, die sowohl dessen Notwendigkeit als auch die Kritik an seiner Realität beinhaltete.

Neben seiner akademischen Karriere engagierte sich Kaufmann in der katholischen Kirche und wurde zu einem wichtigen Kritiker, insbesondere hinsichtlich des Umgangs der Kirche mit Missbrauchsskandalen. Trotz seiner Kritik blieb er der Kirche treu und vertrat die Ansicht, dass das christliche Gottesgedächtnis öffentlich präsent bleiben müsse.

Kaufmanns Einfluss reichte weit über die Sozialpolitikforschung hinaus und prägte Generationen von Wissenschaftlern. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke in der akademischen und kirchlichen Welt.

CfP: Wissenschaftliche Fachtagung „Wohlstand! Welcher Wohlstand?“

Seit Februar 2023 widmet sich die Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe) in Wien dem Forschungsschwerpunkt »Wohlstand«. Gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Alltagsökonomie an der TU Wien möchte die ksoe in diesem thematischen Rahmen vor allem Nachwuchsforschende, aber auch etablierte Forschende einladen, Forschungsbeiträge aus dem Themenfeld »Wohlstand« vorzustellen.

Der Fachtag versteht sich als explizit interdisziplinär, und begrüßt Beiträge aus allen relevanten Disziplinen. Für die Präsentation und Diskussion der Beiträge sind jeweils eine Stunde geplant (jeweils 30 Minuten Referat & Diskussion). Die Beiträge können sich unter anderem mit folgenden Themen befassen:


▪ Was ist Wohlstand? Wie hat sich das Verständnis von Wohlstand verändert?
▪ Welche Bedeutung haben professionalisierte und unbezahlte Care-Arbeit für Wohlstand?
▪ Wie lässt sich Wohlstand »messen«?
▪ Welche Verteilungsfragen werden mit Wohlstand adressiert?
▪ Welche institutionellen Arrangements, welche ethischen Normen braucht ein modernes Verständnis von Wohlstand?
▪ Gerne können Beiträge zu anderen Wohlstands-Themen eingereicht werden.

Um die Einreichung eines kurzen Abstracts/ Themenvorschlags (max. 1 A4 Seite) wird bis einschließlich 04.03.2024 unter dem Betreff »Fachtag: Wohlstand« gebeten an: dialog@ksoe.at

Der Fachtag wird am wird am 24.05.2024 in den Räumen der TU Wien (Karlsgasse 11, 1040 Wien) stattfinden. Insbesondere für Nachwuchsforschende steht ein begrenztes Budget zur Verfügung, um auf Anfrage Reise- und Übernachtungskosten zu erstatten.

Ausführlichere Informationen finden Sie in der verlinkten Auschreibung.

16.01.2024 Sozialethische Morgenlage in Mitteleuropa mit Prof. Dr. Regina Elsner

Die Vereinigung für Sozialethik in Mitteleuropa lädt herzlich zu ihrem neuen Format, der „Sozialethischen Morgenlage Mitteleuropa“, ein. Die Sozialethische Morgenlage Mitteleuropa richtet sich an Mitglieder der Vereinigung sowie an alle an aktuellen sozialethischen Herausforderungen und Perspektiven interessierte Personen. In 20 minütigen, fundierten und anregenden Kurzimpulsen wird landesbezogen ein Input gegeben. Anschließend verbleiben 20-25 Minuten für Fragen und Diskussion. 

Der Kurzimpuls der Sozialethische Morgenlage wird von Prof. Dr. Regina Elsner (Universität Münster) zum Thema „Menschenrechte und Kirche in Russland“gestaltet.

Moderation:
Prof. Dr. Alexander Filipović

Für weitere Informationen und Anmeldung klicken Sie bitte den Link.

Netzwerkworkshop: Neues Denken oder neue Technologie?

An der Justus-Liebig-Universität Gießen wird vom 26.-27. Januar 2024 ein Netzwerkworkshop zu den interdisziplinären Herausforderungen der sozial-ökologischen Transformation organisiert. Ziel des Workshops ist es, eine interdisziplinäre Plattform zu schaffen, um innovative Wege für nachhaltige Technikvollzüge und Lebensweisen zu erforschen. Die Berücksichtigung theologischer und ethischer Perspektiven wird ausdrücklich angestrebt.

Weitere Informationen zum Netzwerkworkshop, zur Anmeldung und zum Programm finden Sie hier.

Call for Papers: Forum Sozialethik 2024 – Gegen das Aus im gemeinsamen Haus!

„Gegen das Aus im gemeinsamen Haus! Die ökologische Krise – Paradigmenwechsel in der Christlichen Sozialethik?“ lautet der Titel des Forums Sozialethik 2024. Es findet von 9.-11. September 2024 in der Katholischen Akademie Schwerte statt.

Welche Herausforderungen der ökologischen Krise betreffen die Christliche Sozialethik und warum? Welche Lösungsansätze zeichen sich ab? Führt die ökologische Krise zu Paradigmenwechseln in wissenschaftlichen, politischen und ethischen Debatten sowie der Christlichen Sozialethik als Fach? Diesen Fragen möchte sich das Forum Sozialethik 2024 stellen. Das Vorbereitungsteam lädt dazu ein, sich an ihrer Diskussion zu beteiligen und bittet um Einreichungen für Vorträge.

Angesprochen werden Nachwuchs-Sozialethiker:innen (Promotion, Habilitation) sowie Studierende, die eine sozialethische Abschlussarbeit schreiben. Vertreter*innen aus benachbarten oder angrenzenden Disziplinen (z.B. anderen theologischen Fächern und Theologien, Philosophie, Sozial-,Natur- und Umweltwissenschaften,…) sind ebenfalls herzlich willkommen.

Beitragsvorschläge können bis zum 31. März 2024 eingereicht werden.

Zum Call for Papers als PDF, zum Beitrag auf der Website des Forums Sozialethik.

Neues Format: Sozialethische Morgenlage in Mitteleuropa

Die Vereinigung für Sozialethik in Mitteleuropa lädt herzlich zu ihrem neuen Format, der „Sozialethischen Morgenlage Mitteleuropa“, ein. Die Sozialethische Morgenlage Mitteleuropa richtet sich an Mitglieder der Vereinigung sowie an alle an aktuellen sozialethischen Herausforderungen und Perspektiven interessierte Personen. In 20 minütigen, fundierten und anregenden Kurzimpulsen wird landesbezogen ein Input gegeben. Anschließend verbleiben 20-25 Minuten für Fragen und Diskussion. 

Der erste Kurzimpuls der Sozialethischen Morgenlage wird von Dr. Monika Maria Brzezińska aus Polen gestaltet.

Moderation:
Univ.-Prof. Dr. Alexander Filipović

Für weitere Informationen und Anmeldung klicken Sie bitte den Link.

Berliner Werkstattgespräch 2024: Politische Theologien und Christliche Sozialethik angesichts multipler Krisen des Politischen

Das Berliner Werkstattgespräch 2024 findet von 19. bis 21. Februar statt und widmet sich dem Thema: „Politische Theologien und Christliche Sozialethik angesichts multipler Krisen des Politischen“.

Im Kontext der gegenwärtigen multiplen Krisensituation erfreut sich in den letzten Jahren das Stichwort der „Politischen Theologie“ wieder einer gewissen Beliebtheit. Hinter dem Begriff versammeln sich durchaus divergente Konzepte der Rede von Gott angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen und des Umgangs mit sozialen Verhältnissen.
Wie den Politischen Theologien geht es auch der Christlichen Sozialethik um eine gesellschaftliche und religiöse Praxis, aber die Vorstellungen von einer gegenwärtig gebotenen, vernünftigen und angemessenen Praxis können recht verschieden sein. Es gibt inhaltliche und methodische Differenzen, Vorbehalte und wechselseitige Infragestellungen, etwa die Bedeutung einer theologischen Sprache oder die Rolle von Institutionen betreffend. In diesem Spannungsfeld stellt sich die Frage, wie Politische Theologien und Christliche Sozialethik so konturiert werden können und wie ihr Verhältnis so bestimmt werden kann, dass sie Christ:innen bei der reflexiven Bearbeitung der Krisen unterstützen können.

Dieser und ähnlichen Fragen widmet sich das Werkstattgespräch, bei der Vertreter:innen Politischer Theologien und der Christlichen Sozialethik zu verschiedenen Themen ins Gespräch kommen und Zugänge und Positionen zur Diskussion stellen.

Es handelt sich um eine Fachtagung der AG CSE. Sie sind nicht Mitglied der AG CSE (aber bspw. als wissenschaftlicher Nachwuchs in der CSE) und haben Interesse an der Tagung? Bitte nehmen Sie Kontakt auf mit der Person, die Ihre Promotion oder Habilitation betreut, oder der Vorsitzenden der AG.

Eine Anmeldung zur Tagung ist bis zum 29. Januar 2024 möglich, die Buchung eines Zimmers mit Kontingent-Preis bis zum 10. Januar 2024.

Zum Tagungsprogramm inkl. Informationen zur Anmeldung. (Achtung: Seit 2023 gibt es ein neues Verfahren für die Übernachtungen!)

Call: Special Issue „Sustainable Development: The Normative Contribution of Theology”

Die Zeitschrift religions wird sich in einem Special Issue dem Thema „Sustainable Development: The Normative Contribution of Theology“ widmen. Für diese Sonderausgabe bitten die Gastherausgeber Bernhard Bleyer und René M. Micallef um die Einreichung von Manuskripten, die ein double-blind peer review-Verfahren durchlaufen werden.

Ziel des Themenheftes wird es sein, Theorien über den normativen Beitrag, den Weltreligionen und ihre verschiedenen theologischen Schulen zu konkreten Problemen nachhaltiger Entwicklung leisten können, zu behandeln, wobei acht ausgewählte Sustainable Development Goals den theoretischen Rahmen des Heftes bilden.

Manuskripteinreichungen sind bis 15. August 2024 möglich. Bereits davor sollen Titel und Abstract mit den Gastherausgebern abgesprochen werden.

Zum Call.

In Memoriam: Prof. em. Bénézet Bujo

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg/CH trauert um Ihren emeritierten Kollegen Prof. Dr. Bénézet Bujo. Nach längerer Krankheit verstarb er am vergangenen Donnerstagabend, 9. November, im Alter von 83 Jahren im Kantonsspital Freiburg. Bénézet Bujo, geb. 1940 in der Provinz Ituri im Nordwesten der heutigen Demokratischen Republik Kongo, absolvierte sein Lizentiatsstudium in Philosophie und Theologie an den Großen Seminarien in Murhesa (Bukavu) und Niangara (Isiro) sowie an der damals noch unter belgischer Kolonialherrschaft stehenden Universität Lovanium in Kinshasa. Nach der Priesterweihe für die Diözese Bunia/RDC und einigen Jahren Arbeit in der Gemeindeseelsorge folgte ein Promotions- und Habilitationsstudium an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (1978/1983).

Von 1983 bis 1988 lehrte Bénézet Bujo als ordentlicher Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Kinshasa; dann folgte der Ruf auf den deutschsprachigen Lehrstuhl für Moraltheologie, Sozialethik und afrikanische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2010 innehatte. Bénézet Bujo nahm eine Vielzahl an Dozenturen in Europa und Afrika wahr; so war 1985 erster Gastprofessor bei „Theologie Interkulturell“ am Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität in Frankfurt a.M. Es erreichten ihn Einladungen aus Saarbrücken, Nairobi, Lund, Johannesburg und Antananarivo (Université Catholique de Madagascar). Nach seiner Emeritierung war er fünf Jahre lang, von 2011 bis 2015, theologischer Berater von Caritas Africa. Bujos Forschungsarbeiten richteten sich von Anfang an auf die Suche nach einer Ethik, die im Licht der afrikanischen Traditionen die tiefen, von Gott als der geistigen Grundlage aller Wirklichkeit eingestifteten Beziehungen der Menschen ernstnimmt – eingeschlossen der lebenswichtigen Beziehungen zur Welt der Vorfahren (der Ahnen) und der noch Ungeborenen (der Nachkommen). Die philosophischen Grundlagen hierzu lieferte ihm neben den großen Autoren der europäischen Scholastik insbesondere die Diskursethik von Jürgen Habermas, die er freilich um die Begriffe einer sog. „Konsens-“ oder „Palaverethik“ afrikanischer Provenienz signifikant erweiterte. Auf diese Weise gelang ihm nichts geringeres als die Formulierung einer genuin afrikanisch-christlichen Ethik; diese machte ihn weit über Freiburg hinaus bekannt. Davon zeugen nicht zuletzt seine zahlreichen Veröffentlichungen in deutscher und französischer Sprache sowie in Swaheli. Er-wähnt seien die „Introduction à la théologie africaine“ im Freiburger Verlag Academic press (2008; 2021), gefolgt von einer Reihe von Bänden über die
großen Figuren der afrikanischen Theologie: Afrikanische Theologie in ihrem gesellschaftlichen Kontext (Düsseldorf 1986); Die ethische Dimension der Gemeinschaft (Wien 1993); Wider den Universalanspruch westlicher Moral. Grundlagen afrikanischer Ethik (Freiburg i.Br. 2000); Plädoyer für ein neues Modell von Ehe und Sexualität. Afrikanische Anfragen an das westliche Christentum (Freiburg i.Br. 2007). Aber auch sein provokantes „Diaire d’un théologien africain“ darf nicht unerwähnt bleiben. Nicht nur die Kirchen Afrikas verdanken Bénézet Bujo viel; auch die deutsch- und französischsprachige Theologie und nicht zuletzt die Theologische Fakultät der Universität Freiburg sind dem Verstorbenen zu großem Dank verpflichtet. Möge er in Gott finden, was er immer mit Nachdruck betonte: daß der Mensch ein viel-dimensionales Wesen ist, das nicht nur individuell aus Körper und Seele besteht, sondern als Teil einer umfassenden Welt allein im Lebensnetz der Vor- und Nach-fahren, dieser unbekannten Heiligen, seine Erfüllung findet.


Das feierliche Requiem für unseren Verstorbenen wurde am Samstag, 25. November, um 10.00 Uhr in der Pfarrkirche Ste Thérèse, Freiburg, gefeiert. Im Anschluß an das Requiem fand eine vorübergehende Beerdigung statt (inhumation provisoire); die Überführung der sterblichen Überreste in die kongolesische Heimat erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Prof. Joachim Negel, Dekan